Freiburger Radioamateure – Tag der Offenen Tür Ingenieurschule Freiburg, 21 Avril 2007
Unser Freiburger Amateurradio-Club HB9FG feierte dieses Jahr den 70. Jahrestag seiner Gründung. Für diesen Anlass hat uns das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) das spezielle Rufzeichen HE70FG zugeteilt (HE für Helvetia !), und wir haben dazu auch eine Jubiläums-QSL-Karte gedruckt. Ein herzlicher Dank geht an Patrick Daidié, HB9HFJ, für den graphischen Entwurf dieser Karte! Unser Club wird unter dem Rufzeichen HE70FG bis Ende 2007 auf allen Amateurbändern tätig sein.
Wir haben dieses Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür an der Ingenieurschule Freiburg (EIF) gefeiert, in Anlehnung an die Feier vor 20 Jahren am damaligen Technikum. Professor Antoine Delley, von der
Abteilung für Informations- und Kommunikations-Technologie, hat uns freundlicherweise die Infrastruktur der EIF für diesen Anlass verfügbar gemacht. Wir danken ihm herzlich, wie auch allen die zu dieser Veranstaltung beigetragen haben.
Wochen zuvor schon wurde ein technischer Augenschein vor Ort vorgenommen; es wurden Aufgaben verteilt, Beiträge zusammengestellt, technisches Material organisiert, Posters und Lichtbild-Präsentationen angefertigt, die Öffentlichkeit unterrichtet, und die vielen Dinge erledigt die sonst noch nötig waren. Das Organisationskomitee unter der Leitung von Edgar Müller (HB9TRU), unser Präsident Nicolas Ruggli (HB9CYF), unser Vize-Präsident Giovanni Converso (HB9HFL), und viele Mitglieder unseres Radio-Clubs haben sich voll ins Zeug gelegt.
Am 20. April, Tag J-1, richteten wir die geräumige Innenhalle der EIF mit den bereitgestellten Tischen und Posterwänden ein. Michel Emery (HB9TWR), Cédric Baechler (HB9HFN), Eugène Wolf (HB9BQP) und Daniel Aeby (HB9HFM) stiegen zu viert aufs Dach um Geräte und Antennen für den Verkehr auf Kurzwelle (HF), Ultrakurzwelle (VHF/UHF) und Digitalmoden zu montieren. Sylvio Ceruti (HE9ILS) installierte seine Kurzwellen-Abhörstation (SWL). Nicolas (HB9CYF) und Dominique Ruggli (HB9CYY), mit Hilfe von Christian Wüthrich (HB9TXW), richteten den Morse-Stand ein und hängten Posters auf. Jean-Daniel Baumgartner (HB9MMG) und seine Frau Isabelle stellten Fachliteratur und elektronische Bauprojekten des HB9FG der vergangenen Jahre auf. Am Abend hatten wir die Sache so etwa im Griff, aber der Tag J nahte unerbittlich. Wir mussten, für die Nacht, die Geräte in einen Nebenraum bringen und abschliessen. Ein Teil des technischen Materials sollte zudem erst Samstag morgens eintreffen.
Nicolas hatte unsere neuen « Uniformen » mitgebracht : blaue Pullis und T-Shirts mit einem gelben aufgesticktem rundem Emblem « Radioamateurs Fribourgeois », und dem aufgestickten Rufzeichen eines jeden einzelnen in der Mitte.
Samstag, 21. April, um 07:00 Uhr morgens begannen wir mit den letzten Vorbereitungen: alle Geräte wurden wieder aufgestellt und in Betrieb genommen. Es funktionierte; die Kurzwellen-Mehrbandantenne R7 auf dem Dach tat ihren Dienst, und HE70FG war „on air“. Paul-André Schmid (HB9RXV) war mit seinem ATV-Bus (Amateurfernsehen) gekommen, und Raymond Rapin (HB9DMN) hatte eine Sammlung historischer Radio- und Aufzeichnungsgeräte mitgebracht. Gelegenheit, um ein in den 40er-Jahren in den USA auf Stahldraht aufgenommenes Musikstück zu hören.


Herbert Aeby (HB9BOU) und Manfred Oberhofer (HB9ACA) nahmen die Empfangsstation für Wettersatelliten in Betrieb. Ein Video-Clip erinnerte an die historische Radio-Verbindung vom 22.09.2006 zwischen dem Schweizer Astronauten Claude Nicollier (HB9CN), in Begleitung von Schülern des Gymnase de la Broye (GYB), und der Internationalen Raumstation ISS (ARISS = Amateur Radio on International Space Station). Nicolas (HB9CYF) startete das Diaporama im grossen Auditorium, und Liliane de Blaireville (HB9HLC) sorgte sich um den Empfang der Besucher und das obligate „verre d’amitié“. Ein besonderer Dank gilt auch Martine Ruggli, die uns während des ganzen Anlasses herzhaft zur Seite stand.
09:00 Uhr ging es los. Die ersten Besucher standen am Eingang: Bekannte, Freunde, Familienmitglieder der anwesenden Radioamateure (OMs und YLs). Das Wetter stand uns jedoch nicht zur Seite: glänzender Sonnenschein und sommerliche Temperaturen luden niemanden zum Besuch von Museen ein! Trotzdem kamen nach und nach Besucher: Junge, weniger Junge; in einem Rhythmus der uns Zeit liess, uns um sie zu kümmern und ihnen die verschiedenen Aspekte der Ausstellung und der Radiotechnologie zu erklären.
Ein grosses Poster in der Nähe des Eingangs zeigte die beiden Gründerväter der drahtlosen Nachrichtenübertragung,
Heinrich Hertz und
Guglielmo Marconi, und stellte ihre damaligen Arbeiten vor. Nach der Lektüre dieses Posters hatten die Besucher Gelegenheit, das Marconi-Experiment selbst nachzuvollziehen an Hand eines einfachen Aufbaus (Funkensender und Kohärer-Empfänger), auf dem Originalprinzip nachgebaut durch Edgar (HB9TRU).
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Der nächste Stand war Samuel Morse und seinem berühmten Telegraphie-Alphabet gewidmet; er fand ein überaus grosses Interesse unter den jungen Besuchern der Ausstellung: Vor einem den Morse-Code erklärenden Poster, auf dem man ebenfalles etwas über die Biographie seines Erfinders lesen konnte, hatten die Besucher die Möglichkeit, auf verschiedene Weisen hörbare Morse-Signale zu erzeugen: mittels einer traditionellen, manuellen Morse-Taste; mittels einer automatischen ‘iambischen’ Taste; mittels einer Computer-Tastatur, oder, als vierte Möglichkeit, durch Abspielen eines MP3-Files der rhythmische Melodie des Morse-Alphabets zuzuhören. Nicolas, vielen Dank für diese ausgezeichnete und sehr didaktische Demo. Etwas was man durchaus für eine nächste Veranstaltung übernehmen sollte!
Auf dem nächsten Tisch war eine VHF/UHF-Station aufgebaut, mit der Giovanni (HB9HFL) Telephonie-Kontakte in FM (Frequenzmodulation) und SSB (Einseitenbandmodulation) tätigte. Am anderen Ende der Verbindung fanden sich sowohl Schweizer wie auch französische Stationen ein, die entweder direkt, oder über eines der zahlreichen erreichbaren Relais (Gibloux, Macolin, Chasseral, und Poele-Chaud) hereinkamen. Noch etwas weiter zeigten Daniel (HB9HFM) und Christian (HB9TXW) an einer eigens dafür aufgebauten Station die faszinierenden Aspekten der digitalen Nachrichtenübertragung über Kurzwelle.
An der eigentlichen Kurzwellenstation (HF), die hauptsächlich von Cédric (HB9HFN) und Eugène (HB9BQP) betreut wurde, verursachte das „Hotel-Echo 70 Foxtrott Golf“-Rufzeichen einen richtiggehenden „Aether-Rush“; die Besucher am anderen Ende der Drahtlos-Verbindung waren wesentlich zahlreicher als die an der Ausstellung! Die gedruckten QSL-Karten zur Bestätigung der Funkkontakte anlässlich „unseres“ 70-sten Geburtstags werden wohl schnell an die Radioamateure der Welt verteilt sein! Ein 40m-Kontakt wurde auch mit dem Radio-Club Rueil-Malmaison getätigt, der mit dem Freiburger Radio-Club in Freundschaft verbunden ist.
Das vom Internet an die Wand projizierte ‘DX-cluster’ (= Liste der auf den Amateurbändern gehörten Stationen) gab den Besuchern einen Einblick in die aktuellen Kontaktmöglichkeiten auf lange Distanz via Kurzwelle. Auf einem weiteren Bildschirm konnte man einer SSTV-Übertragung (= Übertragung von Fernsehbildern über eine direkte Kurzwellenverbindung) folgen. Informatik und Internet sind integrierende Bestandteile des Amateurfunks geworden, die neue Möglichkeiten eröffnen an die man vor 20 Jahren noch gar nicht denken konnte.
Die Amateur-TV-Stände (ATV) von Paul-André (HB9RXV), Ernest Streit (HB9AQN) und Arnold Pasche (HB9STX) erweckten ebenfalls ein grosses Interesse, vor allem die Mikrowellen-Elektronik die da zum Einsatz kommt. HB9RXV hält übrigens den Weltrekord der ATV- Übertragung auf dem 3cm-Band.
Der Bau von Radiogerät aller Art und die dazugehörige Fachliteratur waren das Thema von Jean-Daniel’s (HB9MMG) Stand. Besondere Aufmerksamkeit verdienten auch die QRP-Geräte (QRP = Übertragung mit schwacher Sendeleistung) von Eugène (HB9BQP), gerade weil es sich dabei um eine noch zugängliche Elektronik handelte. In den heutigen Elektronikgeräten geht unglücklicherweise das Funktionsprinzip allzu oft in einem Gewirr von integrierten Schaltungen und SMD-Bauteilen unter, die zudem noch auf Schaltungsplatinen mit mehreren Leiterebenen montiert sind. Es ist immer interessant wenn man eine elektronische Schaltung noch verstehen und in Bezug zur Funktion des Geräts setzen kann!
Zum Schluss muss man auch die Oldtimer-Ausstellung erwähnen, die Raymond (HB9DMN) und Daniel Schmutz (HB9CDN) eigens für diesen Tag zusammengestellt hatten. Da konnte man z.B. einen historischen Radioempfänger bewundern, mit einer grossen Rahmenspule als Antenne. Solche Empfänger dienten dem Empfang von
HB2, dem Lausanner Radiosender „Champ de l’Air“ von Roland Pièce (400 W, Wellenlänge 1080 m), der seine Sendungen im Jahre 1922 aufnahm.
Ein derartiger Empfänger war aber, wegen der teuren Röhren, für die gewöhnlich Sterblichen nicht erschwinglich. Diese mussten sich mit Detektor-Empfängern begnügen, von denen ebenfalls einige Exemplare zu bewundern waren; sie bestanden lediglich aus einer Spule, einem Kondensator, und einem Bleiglanzkristall mit einem einstellbaren Kontakt. Dieser Empfänger benötigte einen möglichst langen Antennendraht und eine gute Erdung; gelauscht wurde mit einem Telefon-Kopfhörer. Die erreichbare Trennschärfe war natürlich klein, was aber wegen der geringen Anzahl Stationen auf dem Band nicht störte. Die Reichweite beschränkte sich auf die unmittelbare Umgebung der Stadt Lausanne.
17:00 Uhr : Zeit die Ausstellung zu schliessen. Es folgten zwei harte Arbeitsstunden um alles wieder abzubrechen, einzupacken und in die Fahrzeuge zu verladen. Der Innenhof der EIF war nun wieder frei, so wie wir ihn vor zwei Tagen angetroffen hatten. Es blieb uns noch etwas Zeit um ein Glas zu heben und den Erfolg zu feiern. Schade dass alles so schnell vorbei ging!
21.05.2007 HB9CYF / HB9HFL / HB9TRU



Postscriptum :
Ein Prosit auf den Erfolg….